Rotes Höhenvieh alter Zuchtrichtung e. V.

Vereinstreffen

Jahreshauptversammlungen

Zuchtarbeit mit Leidenschaft:

Exkursion im Rahmen der JHV des Vereins Rotes Höhenvieh alter Zuchtrichtung e.V. nach Bad Arolsen

Exkursionsbericht: Im Rahmen der diesjährigen Jahreshauptversammlung des bundesweit aktiven Vereins Rotes Höhenvieh alter Zuchtrichtung e.V. waren wir am 20.09.2025 auf einer Exkursion zu den Herden von unseren Vereinsmitgliedern Bernd Hübner und Carl-Anton Fürst zu Waldeck und Pyrmont – der Züchtergemeinschaft „Fürstliche Rotviehzucht Gut Kappel“. Ziel der Exkursion war es, Einblicke in die erfolgreiche Zuchtarbeit unserer Mitglieder zu gewinnen und den fachlichen Austausch unter den Züchtern zu vertiefen.

Um 13:15 Uhr brechen wir im Anschluss an unsere Jahreshauptversammlung 2025 im Schloss Arolsen und einem schmackhaften Mittagstisch unter anderem mit einem sechs Stunden gegarten, 18 kg schweren Roastbeef vom Roten Höhenvieh und interessanten Gesprächen zu der „Schlossherde“ der Züchtergemeinschaft auf.

Dort angekommen, präsentiert uns Bernd Hübner stolz die Herde um den sechsjährigen preisgekrönten Zucht- und Besamungsbullen ROSSO, der hier mit einer Schar von 11 Kühen und dem diesjährigen Nachwuchs für die nächste verheißungsvolle Generation sorgt. Die Tiere dieser Herde bestechen durch ausgeprägten Rassetyp.

Es wird deutlich, mit wieviel Herzblut hier der Zuchtarbeit nachgegangen wird. Die Zuchtgemeinschaft hat für sich klar gesteckte Zuchtziele, denen konsequent und zielstrebig nachgegangen wird. Von der harten Selektion profitieren jedoch auch die Züchterkolleg*innen. Denn so fallen immer wieder hochkarätige Zuchttiere an, die im eigenen Betrieb keinen Platz mehr finden können und so ihren Weg in die Zucht finden.

Das Engagement der Züchtergemeinschaft steht beispielhaft für die Philosophie des Vereins Rotes Höhenvieh alter Zuchtrichtung e.V., das Rote Höhenvieh in seiner genetischen Vielfalt zu erhalten und weiterzuentwickeln. Ziel ist es, diese robuste, bodenständige und zugleich elegante Rasse im landwirtschaftlichen Alltag und in der Landschaftspflege fest zu verankern.

Derweil können wir die Herde mit dem stattlichen Bullen bestaunen. Die Nachzucht und die Kühe können sich richtig gut sehen lassen und sind ein Versprechen an die Zukunft dieser Betriebsgemeinschaft.

Die hervorragende Ausgangslage dieser Herde liegt u.a. in der Zuchtgemeinschaft unserer Vereinsmitglieder Müller-Hesse, aus der in den vergangenen Jahren immer wieder Tiere in die hiesige Zucht eingeflossen sind. Hinzu kamen Zuchtbullen aus dem Betrieb Jeuken. Mit dem Zuchtbullen ROSSO, Landessieger Hessen/Thüringen 2025 in Alsfeld, und TATAR, Landessieger der Hessenschau 2024, verfügt die Zuchtgemeinschaft über zwei Spitzenvererber, die das Zuchtgeschehen weit über die Region hinaus prägen. Der auch als Besamungsbulle verfügbare ROSSO ist darüber hinaus als Reservesieger Rotes Höhenvieh 2024 in Hessen und als Mister Bad Arolsen 2024 (Gesamtsieger über alle Klassen) ausgezeichnet worden. Außerdem gibt es derzeit keinen verfügbaren Besamungsbullen, der mehr originale Genetik vom Roten Höhenvieh in sich trägt.

Diese Erfolge unterstreichen die Qualität der Vereinsarbeit und das hohe züchterische Niveau, das innerhalb des Vereins gepflegt wird.

Hier wird eine weitere Leidenschaft der Zuchtgemeinschaft sichtbar: Die Tierschauen. Sehr erfolgreich nehmen schon die Kinder der Familie Hübner an Zuchtschauen teil und so trägt die Arbeit der Zuchtgemeinschaft nicht nur Früchte für die eigene Zuchtarbeit, sondern auch für die Außendarstellung der Rasse. Dafür ein herzliches Dankeschön!

Im Anschluss fahren wir zur nächsten Herde direkt am Gut Kappel, wo der gerade erwähnte Zuchtbulle TATAR mit seiner Zuchtgruppe ruhig den etwa 30 Personen lauscht, während sie sich über die Zucht und allem was dazugehört austauschen.

Derweil hat die Familie Hübner in dem Park des Gut Kappel ein Kuchenbuffet und kalte Getränke vorbereitet. Bei einem Lagerfeuer und einem solchen Ambiente lässt es sich hervorragend fachsimpeln, wovon die Teilnehmenden reichlich Gebrauch machen. Unter anderem über die Multispezies-Beweidung, für die in Hessen eine eigene Förderung möglich ist. Hier sind auf den Flächen des Demeter-Betriebes Pferde, Rinder und Esel auf den Flächen untergebracht.

Im weiteren Verlauf des Nachmittages macht sich eine Gruppe von etwa 15 Personen noch einmal auf den Weg, um noch weitere Teile der Herden zu besichtigen. Wir machen uns auf in das Waldgebiet nördlich von Bad Arolsen. Die Weiden befinden sich in den Offenland-/Grünland-Talsystemen der Quellregion der „Schwarzen Phule“. Beachtlich ist – hier laufen die Tiere im Wolfsgebiet. Herdenschutzzäune sucht man jedoch vergebens. Aufgrund des schwierigen Reliefs, ist hier ein wolfsabweisender Zaun nicht pflegbar. Hinzu kommt, dass die schmalen, aber langen Täler überproportional lange Zäune benötigen, um gesichert werden zu können, was schon jetzt für die Weidepflege einen großen Aufwand bedarf. Wolfsübergriffe hat es auf die Herden der Zuchtgemeinschaft jedoch nicht gegeben.

Wir besichtigen hier eine kleinere Herde aus vier Jungbullen und einer Altkuh. Nach der Exkursion hat bereits einer von Ihnen einen neuen Besitzer gefunden.

Danach besichtigen wir einen weiteren Standort auf dem zwei Schautiere der Familie Hübner laufen. Hier präsentiert uns Bernd Hübner auch einen Grünlandstandort, der perspektivisch beweidet werden soll.  Die Herausforderung vom Zaunbau, möglichen Förderkulissen und Perspektiven für einen solchen Standort aus naturschutzfachlicher Sicht prägen die Diskussionen. Diese extensive Form der Beweidung trägt wesentlich zum Erhalt wertvoller Kulturlandschaften bei – ein Anliegen, das der Verein Rotes Höhenvieh alter Zuchtrichtung e.V. aktiv fördert.

Für die Zukunft wünscht sich Bernd Hübner ausschließlich mit der Landschaftspflegeleistung und dem naturschutzfachlichen Aspekt der Rinderhaltung einen wirtschaftlichen Betrieb möglich zu machen. Derzeit lebt der Betrieb auch von der Vermarktung von hochwertigem Demeter-Fleisch, außerhalb ländlich geprägter Regionen Nordhessens.

Im Anschluss kehren wir zurück zum Gut Kappel, wo wir bei Kaltgetränken und Snacks den Abend bis in die Dämmerung ausklingen lassen.

Und so geht ein Züchtertreffen der besonderen Art zu Ende. Ein Tag, der eindrucksvoll zeigte, wie lebendig die Vereinsarbeit und das Miteinander der Züchterfamilie sind. Mit großem Engagement, Fachwissen und Leidenschaft tragen die Mitglieder dazu bei, das Erbe des Roten Höhenviehs zu bewahren und weiterzuentwickeln.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei der Familie zu Waldeck und Pyrmont und Familie Hübner für die wertvolle Zuchtarbeit, das Engagement und die herausragende Gastfreundschaft! Ein solches Ambiente ist doch eher ungewöhnlich für eine Rasse, die eher in den ärmlichen Verhältnissen zugegen gewesen ist. Hier zeigt sich, dass sich das Rote Höhenvieh sehr wohl auch in einem edlen Gewand hervorragend und keinesfalls unpassend präsentieren lässt. Vielen Teilnehmenden wird diese Exkursion sicher noch lange in positiver Erinnerung bleiben.

Exkursionsbericht_RHVaz_JHV_2025

(Text & Fotos: Hans Tolksdorf / Rotes Höhenvieh alter Zuchtrichtung e.V.)

Exkursion im Rahmen der

Jahreshauptversammlung 2024

Rotes Höhenvieh alter Zuchtrichtung e.V.

Alsbach-Hähnlein

Text und Bilder: Hans Tolksdorf

 

Exkursionsbericht: Im Rahmen der diesjährigen Jahreshauptversammlung des bundesweit aktiven Vereins Rotes Höhenvieh alter Zuchtrichtung e.V. haben wir am 28.09.2024 eine Exkursion zu den Herden von unserem Vereinsmitglied Bettina Fay in Alsbach Hähnlein durchgeführt.

Um 10 Uhr morgens treffen wir uns an der Betriebshalle in Alsbach-Hähnlein.

Wir werden von Bettina Fay ihren Hunden und der dort befindlichen Bullen- und Ochsenherde begrüßt. Nachdem sich alle Teilnehmer*innen eingefunden haben, beginnen wir mit einem kleinen Umtrunk vom hauseigenen Streuobstwiesen-Apfelsaft und leckeren Häppchen vom Roten Höhenvieh.

Nach dieser willkommenen Stärkung, ersten Austauschgesprächen, Begutachtungen der Bullenherde und einer kleinen Vorstellungsrunde fahren wir in Fahrgemeinschaften zu vier weiteren Standorten.

Insgesamt hat Bettina Fay etwa 100 Tiere Rotes Höhenvieh in Herdbuch- und Mutterkuhhaltung. Sie bewirtschaftet mit ihren Tieren unter anderem die Naturschutzflächen (Auenstandorte) der Altneckarlachen von Alsbach. Jedoch plant Bettina zukünftig den Bestand in ihrem Betrieb etwas zu reduzieren.

Am ersten Standort angekommen, treffen wir auf eine Herde mit ca. 25 Tieren. 13 davon sind Kühe oder Färsen – die meisten Kühe mit ihren Kälbern bei Fuß. Sofort fällt auf, dass die Tiere auf keinem üblichen Standort stehen. Im Hintergrund der Weide erstreckt sich ein großes Schilffeld, das von den Tieren ebenfalls beweidet wird. Bettina Fay berichtet, dass die Rinder das Schilf gerne fressen. Die Konstitution ihrer Tiere gibt ihr Recht. Die ersten Tiere hat Bettina im Betrieb von Vereinsmitglied Familie Haberlach erworben und damit ihre Herde aufgebaut. Ein stückweit kann man den Tieren ihre Herkunft noch ansehen; sie stehen vereinzelt etwas mehr im „Milchtyp“, als man das für gewöhnlich kennt. Auch sind die Tiere auffällig großrahmig. Die Familie Haberlach hat als einer der wenigen Betriebe mit Rotem Höhenvieh einen aktiven Milchviehbetrieb und damit auch einen besonderen züchterischen Schwerpunkt, was sich insbesondere zu Beginn der Zucht auch im Typ der Tiere zeigte.

Aber zurück zu den Tieren von Bettina Fay: Sehr typvolle Tiere finden sich aber ebenso in dieser Herde und der Nachwuchs lässt viel Zukunftspotential erkennen. Neben Fördermitteln für die Bewirtschaftung dieser Extremstandorte spielt natürlich auch die Vermarktung von Schlachtvieh eine entscheidende Rolle. Die mitlaufenden Kälber sind durchweg in einer sehr guten Konstitution und gut bemuskelt. An den Diestelsamen, die an den Schwanzquasten und zum Teil am Euter hängen, scheinen sich die Tiere nicht zu stören. Sie fallen wohl spätestens beim Fellwechsel ab. Das Rote Höhenvieh beweist seine ausgeprägte Anpassungsfähigkeit; auch auf solchen Standorten herausragende Leistungen zu bringen, wo andere Rassen mit vollen Mägen verhungern würden.

Trotz der Betriebsgröße fällt auf, wie ruhig und zugänglich die Tiere in der Herde sind. Natürlich kommt Bewegung in die Herde, als sie von fast 20 Personen beäugt wird, doch flüchten tut sie nicht und einzelne Tiere suchen regelrecht den Kontakt oder legen sich in all dem Trubel zum Wiederkäuen nieder. Auch das ist wertvolle, erstreben- und lobenswerte Zuchtarbeit.

Das führt uns zur zweiten Herde, wo auf (aus naturschutzfachlicher Sicht) ausgesprochen interessanten Flächen mit viel Wasser(vögeln) neun 4-7 jährige, weibliche Tiere weiden. Diese Tiere sind für die Schlachtung bestimmt, haben sich bisher jedoch erfolgreich darum gedrückt. Das Rote Höhenvieh scheint auch hier anpassungsfähig zu sein. Aber auch Charakter ist für Bettina ein Zuchtkriterium und deshalb werden diese etwas weniger menschenbezogenen Tiere keinen Bullen kennenlernen, auch wenn noch so hübsche Tiere dazwischen herumlaufen.

Nach einer Weile und interessanten Gesprächen fahren wir zur nächsten Herde. Hier warten vier Kühe mit Altbulle und Kalb auf uns. Hier berichtet uns Bettina noch einmal detaillierter von ihrer Zuchtauswahl, dem Betriebskonzept, der Vermarktung und der Bewirtschaftung der Naturschutzflächen.

Für die Vermarktung hat Bettina Fay eine GbR mit ihrem Lebenspartner gegründet, um die Fleischvermarktung gemeinsam zu organisieren.

Derweil können wir die kleine Herde mit dem stattlichen Bullen bestaunen. Insbesondere die Nachzucht, aber auch einige Kühe können sich richtig gut sehen lassen und sind ein Versprechen an die Zukunft dieses Betriebes.

In Sachen Zukunft hat Bettina auch schon vorgesorgt. Ihr Altbulle Ingard von der ehemaligen Betriebsgemeinschaft Müller/Hesse wird wohl seine letzte Decksaison auf dem Betrieb verbringen und so führt sie uns zur nächsten und letzten Herde für den heutigen Tag.

Hier wartet die nächste Generation auf uns. Jungbulle Irom vom Betrieb Jeuken hat hier Einzug gehalten und kümmert sich um etwa acht junger Damen. Auch hier sind wieder Tiere zu sehen, die in das Konzept von Bettina passen.

Es ist deutlich zu sehen, dass die Tiere eine Handschrift haben und ist es nicht genau das, was das Rote Höhenvieh auch ausmacht? Diese Anpassungsfähigkeit und die große Bandbreite in der diese Tiere eingesetzt werden können und sich dahingehend auch präsentieren sind immer wieder erstaunlich. Bettina kann stolz auf ihre bisherige züchterische Arbeit sein und hat ihre eigene Zuchtphilosophie gefunden, die Früchte zu tragen scheint.

Ein starker Regenschauer zwingt uns zum Aufbruch und so machen wir uns auf den Weg zu unserem Sitzungsort, wo wir unsere diesjährige Vereinssitzung durchführen.

Vielen Dank, dass wir auf diesem Weg einen Einblick in deine Herde erhalten durften Bettina!

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